Location: E-Werk, Köln
Datum: 18.10.2014

Asking Alexandria mit The Ghost Inside

Rezensionen (2014) Da hatte sich das britische Metalcore-Quintett ASKING ALEXANDRIA einiges vorgenommen. Für die erste richtige Europa-Tour zum bereits im August 2013 (!) erschienenen "From Death To Destiny" wollte man in so großen Hallen wie noch nie spielen. In Köln ging die Rechnung auf und das Konzert ist mehr als 2000 Fans (und Eltern) ausverkauft. In München oder Hamburg hingegen musste man sich letztendlich mit kleineren Hallen begnügen. Sicherlich ein Knicks in den Rock'n'Roll-Herzen der Bandmitglieder. Support für die Tour sind neben THE GHOST INSIDE noch die beiden Anheizerbands SLAVES und CROWN THE EMPIRE, welche ich leider verpasse, da durch den Bahnstreik die Autobahn und Kölner Innenstadt brechend voll ist. Schade.
Dafür kann THE GHOST INSIDE in Köln überzeugen. So ganz will die Gruppe nicht in den musikalischen Kontext des Abends passen, wie ihnen laut einer Ansage von Sänger Jonathan Vigil bewusst ist, da sonst nicht so viele Mädels vor der Bühne stehen wie auf dieser Tour. Mit einem neuen Song vom im November erscheinenden Werk "Dear Youth" eröffnet die Truppe ihr Set. Im Moshpit scheint einiges zu gehen. Besonders altbekannte Hymnen wie 'Unspoken' oder 'Dark Horse' können das Publikum überzeugen. Sehr cool ist, dass Vigil einem Fan im Publikum, der auf den Schultern seiner Freunde steht, das Mikrofon zuwirft, um ein paar Zeilen zum Besten zu geben. THE GHOST INSIDE spielt das gut 35 Minuten lange Set mehr als routiniert und tight. Allerdings will man die Jungs endlich mal wieder in kleineren Hallen sehen und nicht immer als Vorband für andere. Denn Spaß macht eine Show der Band immer wieder.
Nach einer gut halbstündigen Umbaupause ertönt nach EUROPE's 'The Final Countdown' endlich das Intro zu 'Don't Pray For Me', dem Opener des aktuellen ASKING ALEXANDRIA-Albums "From Death To Destiny". Die Mädchen in den ersten Reihen kreischen kollektiv los als die fünf Briten die Bühne nacheinander betreten. Was direkt auffällt ist, dass Sänger Danny Worsnop wieder einiges an Gewicht zugelegt hat und 2014 wohl auf Steven Tyler macht. 2013 war es noch David Coverdale, den er mit Mikroständer-Moves und weit aufgeknöpftem Hemd imitierte. Noch auffälliger ist, dass Worsnop nicht mehr brüllen kann. Meist wird das Gebrüllte geflüstert, weg gelassen oder einfach normal weiter gesungen. Zum Glück kann der Mann verdammt gut singen. Die Setlist ist ein guter Mix aus den drei bisherigen Alben der Band. Vom Debüt "Stand Up And Scream" werden zum Glück nur die Hits zum Besten gegeben, da mich dieser Trance-Metalcore mittlerweile doch etwas anödet. Man wird älter. Besonders die rockigen Songs, 'Someone Somewhere', 'Break Down The Walls' und das etwas ruhigere 'Moving On', die ohne Gebrüll auskommen, können heute überzeugen. Es würde mich nicht überraschen, wenn das nächste ASKING ALEXANDRIA-Album sich nicht nahezu komplett vom Metalcore entfernen würde und nur noch zwei, drei Alibi-Breakdown-Nummern vorweisen könnte. Besonders Worsnop nimmt das Rock'n'Roll-Leben scheinbar extrem ernst und steht recht angetrunken auf der Bühne, was man besonders bei seinen nur schwer verständlichen Ansagen merkt. Zum Glück kann der Mann verdammt gut singen, sonst wäre er kaum auszuhalten. Nach 'Not The American Average' verabschiedet sich die Band, sagt aber, dass sie wohl sehr wahrscheinlich in ein paar Augenblicken für die Zugabe zurückkommen wird. In der Tat folgen noch drei weitere Songs: 'Killing You', 'The Death of Me' und das abschließende 'Poison. Nach gut 65 Minuten ist dann allerdings Schluss und ASKING ALEXANDRIA verlassen die Kölner Bühne.
Trotz der zunächst etwas gewöhnungsbedürftigen Gesangsleistung, war es eine ziemlich unterhaltsame Show der Band. Wieder einmal konnte man beweisen, dass man jede Glam Metal-Pose beherrscht und so die ersten Reihen zum Kreischen, die hinteren zum moshen bringen. Man darf gespannt sein, was ASKING ALEXANDRIA in Zukunft machen wird.